Es hat sich ausgeflogen: Von einer Mutter, die nicht mehr Stewardess sein wollte….

In der letzten Woche kam eine Frau zu mir in unsere Sommer-Galerie auf Bornholm.

Unsere Galerie ist viel mehr als ein Ort, an dem man Naturfotos schauen und kaufen kann. Es ist ein Ort der Begegnung, der Gespräche und des Austausches. Dadurch, dass mein Mann Udo in den letzten Jahren drei Erzählungen geschrieben hat, die in Deutschland in der Rubrik „Stressprävention und Stressbewältigung“ zu Bestsellern geworden sind, kommen immer wieder Menschen zu uns, um zu hören, wie wir das so mit der Auswanderung und der Entschleunigung gemacht haben…
Es ist immer wieder schön, tiefe Gespräche mit Menschen zu führen, die man das erste Mal trifft.

Christine kam direkt suchend auf mich zu, da sie wußte, dass ich auch mit Frauen arbeite… Ich konnte in ihrem Gesicht die Anspannung und Angst geradezu lesen.
Angst, obwohl sie gerade an einem der schönsten Orte der Welt war, bei schönstem Wetter und in totalem Frieden.

„Ich weiß nicht, was ich tun soll“, sagte sie. „Ich habe seit fast zwei Jahren Angstzustände. Und bald muss ich in meinem Beruf zurück“. Sie erzählte dann, dass sie Stewardess sei (bei wohl der größten Flugesellschaft Deutschlands). Ein Job, der ihr immer Spaß gemacht hat. Sie liebte das Reisen das unterwegs sein. Heute hier, Morgen dort. Neue Menschen, schöne Hotels. Hektik aber auch Abenteuer.

Dann bekam sie ihr erstes Kind und ging in den „Babyurlaub“. Danach stieg sie wieder in den Beruf ein. Und es machten sich die ersten unguten Gefühle breit. Das Gefühl, nicht am richtigen Ort zu sein, denn ihr Herz hatte immer Sehnsucht nach dem kleinen Sohn, ihrem Mann, ihrer kleinen Familie. Kurz darauf wurde sie wieder schwanger und war froh darüber. Und als die kleine Sarah auf die Welt kam, war alles in Ordnung. Doch schon ein paar Monate später machte sich so langsam wieder ein ungutes Gefühl breit. Leichte Magenschmerzen traten auf. Denn Sie wußte, dass sie bald wieder zurück in den Flieger musste. Alle fragten sie schon, wann sie denn nun wieder zurückginge.
Ihr Herz schrie förmlich, denn sie wollte das nicht, Sie fühlte sich sehr wohl in der Rolle der Mutter, Hausfrau. Doch war das genug? Ihr Mann verdiente gut und das Geld reichte aus für die Familie… ihre Tochter kam auch in den Hort und sie bestieg wieder die Maschine…

Dann kam der Terror. Der Anschlag in Paris, sie war gerade in der Stadt. Ihre Familie weit weg. Sie telefonierte mit den Lieben daheim und bereits am Telefon kam der erste Angstanfall. Schweißausbrüche und Herzrasen, Atemnot und Schwindel. Von diesem Tag an überkam diese Gefühl sie häufig, fast jeden Tag. Schließlich ließ sie sich krankschreiben und der Arzt diagnostizierte „Angstzustände und Panikattacken“.

Seitdem ist die Zuhause und kämpft mit sich, ihren Ängsten und auch mit dem Gefühl, dass sie irgendwann wieder gesund werden könne. Und dann? Muss sie dann wieder fliegen? Weit weg sein von den beiden Kleinen?

„Was mache ich nur?“, fragte sie mich fast verzweifelt.
„Was möchtest du denn?“, fragte ich zurück. „Was sagt dein Herz?“.
„Ja natürlich möchte ich bei den Kindern bleiben. Aber das geht ja nicht“.
„Warum geht das nicht“, fragte ich direkt.
„Na ja, das ist ja ein sicherer Job. Ich war immer Stewardess. Und ich kann doch so einen Job nicht einfach aufgeben.“.
„Was möchtest du denn „eigentlich“ tun?“, blieb ich dran.
„Kündigen! Ganz klar.
„Und warum tust du es nicht“, fragte ich noch mal.
„Geht doch nicht!“.
„Wer sagt das?“.
„Ähh, ja, ja ,, ich meine… du meinst ICH?“
“ Ja, sagst DU das? Oder andere?“
„Na ja, eigentlich eher die anderen“
„Haben die anderen denn deine Angstzustände?“
„Nee, die meinen, dass ich so was doch nicht einfach aufs Spiel setzen soll“
“ Aber du meinst, dass du deine Gesundheit aufs Spiel setzen sollst?“
„Neiin, die Kinder brauchen mich ja. Ich bin ja Mutter und ich will gesund sein für die beiden!“.
„Was ist dann das richtige für dich?“
„Kündigen“ Ganz klar“. Aber was mache ich dann???“
„Das findest du heraus, wenn du sich entscheidest, deinem Gefühl zu folgen. Geh einen Schritt nach dem anderen…“
Es fiel ihr ein Stern vom Herzen, denn endlich wurde das ausgesprochen, was sie schon lange gefühlt hatte. Sie lächelte…

Christine wurde klar, dass sie mit dem Herzen bereits vor lange Zeit eine Entscheidung getroffen hatte. Und da sie gegen ihr Gefühl ihre Kinder abgegeben hatte und wieder Stewardess wurde, kamen ihre Angstanfälle. Sie handelte schlichtweg gegen ihren inneren Kompass, gegen ihr Mutterherz und dem Gefühl, wo JETZT im Leben ihr Platz ist. Nämlich Zuhause.

Von uns Muttern wird oft verlangt, dass wir nach der Geburt eines Kindes einfach da weitermachen, wo wir vor der Geburt aufgehört haben. Doch Muttersein ist so viel mehr, als ein Kind auf die Welt bringen und drei bis zwölf Monate aufziehen. Muttersein verändert uns, unsere Werte, unsere Sicht auf uns, unsere Lieben und die Welt.

Muttersein ist oft eine Neugeburt von uns und wir sollten uns viel mehr darüber bewußt sein – SELBSTBEWUSST – dass dies unserem Leben eine komplett  neue Richtung geben kann.

Ich erzähle Euch diese kleine Geschichte, denn Christine hat es sehr gut getan, dass ein fremder Mensch sie einfach mal gesehen hat und sie ehrlich gefragt hat, was SIE möchte. Und dass der Weg raus aus den Angstzuständen darin liegt, zu sich selbst zurück zufinden und an sich selbst zu glauben. Nicht das zu tun, was andere erwarten (das schürt Angst, denn man macht es nicht aus eigener Motivation heraus), sondern das, was sich richtig anfühlt.

Wir sollten uns gegenseitig mehr Mut machen, unserem Herzen zu folgen.

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